Ausgabe Februar 1996

Export von Arbeitsplätzen? Eine Untersuchung der IG Metall-Wirtschaftsabteilung (Auszüge)

Zu den gebetsmühlenhaft wiederholten Argumenten der selbsternannten Retter unseres Wirtschaftsstandorts gehört die Behauptung, Deutschland sei mittlerweile Weltmeister im Export von Arbeitsplätzen. Die Wirtschaftsabteilung der IG Metall hat dahingehende Äußerungen von Hans-Olaf Henkel, dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), zum Anlaß für eine Untersuchung genommen, die Anfang Januar 1996 vorgestellt wurde. D. Red.

[...] In der Tat überwiegen die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland die Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen im Inland deutlich. Dies ist jedoch keineswegs eine neue – auf die letzten fünf Jahre beschränkte Entwicklung. Sie traf gleichermaßen für den vorangegangenen Fünfjahreszeitraum (1985 – 1989) zu. Direkte Beschäftigungsverluste lassen sich dabei allerdings statistisch nicht feststellen. Gesamtwirtschaftlich lag die Beschäftigung (Erwerbstätige) in Westdeutschland 1989 um 1,168 Millionen über dem Stand von 1985. 1994 wiederum lag die Beschäftigtenzahl um 527 000 über dem Stand von 1989 – trotz schärfster Krise der Nachkriegszeit und angeblichem Arbeitsplatzexport.

Betrachtet man die Entwicklung der Direktinvestitionen näher, so sind vier Fakten besonders hervorzuheben:
- Direktinvestitionen werden von allen Wirtschaftssektoren getätigt. Es handelt sich also keineswegs allein und überwiegend um Direktinvestitionen des industriellen Sektors. So entfielen 1994 von den insgesamt 23,81 Mrd. DM Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland lediglich 25,1% (5,99 Mrd. DM) auf Investoren aus dem Bereich der Metallverarbeitung.
- Der Löwenanteil der Direktinvestitionen entfällt keineswegs auf mittelosteuropäische Reformländer oder andere Niedriglohnstandorte, sondern auf hochentwickelte Industrieländer. Der Anteil hochentwickelter Industrieländer an den gesamten Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland machte 1994 fast fünf Sechstel (76%) aus. In der Metallverarbeitung lag dieser Anteil mit 83% sogar noch höher.
- Zwischen 1990 und 1994 haben die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland keineswegs zu- sondern abgenommen. Sie sanken schrittweise von 33,69 Mrd. DM in 1990 auf 23,81 Mrd. DM in 1994. Dagegen kam es umgekehrt bei den Direktinvestitionen ausländischer Unternehmen im Inland zwischen 1992 und 1994 zu einem deutlichen Wiederanstieg. Sie erhöhten sich von 3,72 Mrd. DM auf 5,13 Mrd. DM. Offenbar ist der Standort Deutschland zwischenzeitlich für ausländische Investitionen wieder attraktiver geworden.
- Schließlich gilt es das Verhältnis von Investitionen im Inland und Direktinvestitionen deutscher Unternehmen im Ausland zu betrachten. Gesamtwirtschaftlich betrugen die Inlandsinvestitionen (Bruttoanlageinvestitionen) in Westdeutschland 564,1 Mrd. DM, die abfließenden Direktinvestitionen betrugen lediglich 23,8 Mrd. DM. Betrachtet man allein die Metallverarbeitung so zeigt sich, daß selbst 1994 – einem Jahr mit einem zyklisch bedingten niedrigem Investitionsniveau – lediglich ein Sechstel der Gesamtinvestitionen auf Direktinvestitionen im Ausland entfiel (6 von 36 Mrd. DM). Im Inland wurde dagegen ein fünfmal so großer Betrag investiert. [...]

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