Ausgabe Oktober 1996

Kernfusion oder Kernspaltung?

Stand und Ansichten des europäischen Projekts / im Blätter-Gespräch

Ein "Blätter"-Gespräch mit Karl Lamers Anlaß für das "Lamers/Schäuble-Papier", die europapolitische Erklärung der CDU/CSU-Fraktion vom 1. September 1994, war die Beobachtung, daß der europäische Einigungsprozeß "an einen kritischen Punkt" gelangt sei, es wurde von einer zwei- bis vierjährigen Korrekturfrist gesprochen (vgl. den Wortlaut in: "Blätter" 10/1994, die Beiträge von Josef Janning und Jörg Huffschmid in: "Blätter", 11/1994, sowie den Artikel von Karl Lamers in: "Blätter", 12/1994). Zeit für eine Zwischenbilanz: Karl D. Bredthauer und Arthur Heinrich führten ein Gespräch mit Karl Lamers, dem außenpolitischen Sprecher der CDU/CSU-Fraktion. D. Red.

"Blätter": Herr Lamers, im europapolitischen Positionspapier von 1994 wurde eine Entwicklung der Gemeinschaft hin zur "'gehobenen' Freihandelszone" konstatiert. Ist dieser Trend gestoppt?

Karl Lamers: Das kann man heute noch nicht endgültig sagen. Aber ich glaube, daß sich bei den bisherigen Verhandlungen der Regierungsvertreter wie auch bei den Diskussionen in den meisten Hauptstädten eine positive Tendenz zu Mehrheitsentscheiden herausgestellt hat. Das ist eine Frucht der Einsicht, daß die Europäische Union nicht weiter existieren kann, wenn sie handlungsunfähig wird.

Oktober 1996

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema