Ausgabe August 1997

Kabilas Kongo

Wenige Tage nach dem überraschend schnellen militärischen Sieg der Alliance des Forces Democratiques pour la Libération du Congo (AFDL) und der Rückbenennung des Staates Zaire in "Demokratische Republik Kongo" wurde der neue Machthaber Laurent-Désiré Kabila auf dem Jahresgipfel der Organisation für Afrikanische Einheit (OAU) wie ein Staatsmann empfangen. Das Treffen Anfang Juni in Zimbabwes Hauptstadt Harare war geprägt von Erleichterung über das Ende der fast 32jährigen Herrschaft des Mobutu Sese Seko. Während die mit militärischer Gewalt veränderten Herrschaftsverhältnisse in Kinshasa die allgemeine Billigung der OAU erhielten, war die Konferenz zugleich überschattet von dem gewaltsamen Sturz der demokratisch gewählten Regierung von Ahmed Tejan Kabbah in Sierra Leone.

Mit ihrem Mandat für die von Nigeria dominierte multinationale westafrikanische Streitmacht ECOMOG zur gewaltsamen Revision des Umsturzes in Freetown rüttelte die Regionalorganisation nicht nur an dem bis dahin offiziell sakrosankten Prinzip der Nichteinmischung; sie engagierte sich zugleich erstmals wenngleich im Resultat zunächst erfolglos - als Schutzinstanz für eine demokratisch gewählte Staatsführung.

August 1997

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe September 2020

In der September-Ausgabe erkennt der Philosoph und »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas im Wiederaufbauplan der EU – 30 Jahre nach der Zäsur von 1989/90 – eine zweite Chance für die innerdeutsche wie auch für die europäische Einheit. Die Literaturwissenschaftlerin Sarah Churchwell beleuchtet die langen Linien des amerikanischen Faschismus – vom Ku-Klux-Klan bis zu Donald Trump. Der Wirtschaftshistoriker Adam Tooze plädiert angesichts des Handelskriegs zwischen China und den USA für eine neue globale Entspannungspolitik. Und die Islamwissenschaftlerin Alexandra Senfft portraitiert den Kampf der Frauen gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Afrika: Die zweifache Katastrophe

von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.