Ausgabe Juli 1997

Läßt sich aus dem Zylinderhut Risikokapital zaubern?

Plädoyer für eine überfällige Reform des deutschen Banksystems

Die „Macht der Banken“ ist in Deutschland seit Dekaden ein Evergreen. Nirgendwo wird das Thema so intensiv diskutiert wie hierzulande. Nicht immer allerdings, wenn aus aktuellem Anlaß vom Mißbrauch der Macht oder von der Arroganz einzelner Mitglieder des Banksystems die Sprache ist, wird deutlich, wie sehr es sich dabei um ein Verfassungsproblem des deutschen Bankwesens handelt, das einzigartig ist verglichen mit denen anderer westlicher Industrieländer: das Banksystem einer spät entwickelten Industrienation.

 

Von der Pionierfunktion zum Anachronismus 

Die deutsche Universalbank, das Zentrum dieses Systems, entstand im vergangenen Jahrhundert, in der Gründerzeit. Das Bismarck-Reich begann sich zu industrialisieren, aber es fehlte ein Kapitalmarkt. Die Banken sprangen in die Bresche und finanzierten die ersten großen Investitionen und Innovationen – auf dem Kreditwege. Damals haben sie Pionierfunktion übernommen. Aus dieser Zeit stammt auch die Bewunderung für das deutsche Banksystem, die sich im Ausland lange Zeit gehalten hat. In England hat man die Entwicklung zwischen 1870 und 1900, als das Deutsche Reich wirtschaftlich mit dem Empire gleichzog, als ein wirkliches Wirtschaftswunder angesehen.

Deutschland war ja bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts eine rückständige Volkswirtschaft gewesen, wenn auch eine vergleichsweise homogene.

Juli 1997

Sie haben etwa 48% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 52% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo