Ausgabe April 1998

Wie europäisch ist die Türkei?

Mit Verwunderung und leichter Befremdung registriert der in Ankara "stationierte" Beobachter die Richtung, in welche die Diskussion um eine EU-Mitgliedschaft der Türkei zu gleiten droht. Seit im März 1997 einige Spitzenpolitiker christdemokratischer Parteien in Brüssel über den christlichen Charakter der Union räsoniert haben, kreist die öffentliche Diskussion mehr und mehr um die Frage, ob denn einem Land mit islamisch geprägter Kultur überhaupt der Zutritt in die EU zu gewähren sei. In der Türkei selbst wächst die Überzeugung, nicht politische und ökonomische Hindernisse, sondern die simple Tatsache ein islamisches Land zu sein, habe dazu geführt, daß die EU in ihrem Luxemburger Beschluß von Mitte Dezember 1997 der Türkei einen Platz in der letzten Reihe zugewiesen hat. Eine innenpolitische Grundstimmung, auf die Ministerpräsident Mesud Yilmaz nicht zuletzt abzielte, als er die EU-Politik der Bundesregierung mit der Nazi-Doktrin vom "Lebensraum im Osten" verglich. 1) Als fast schon grotesk erscheint aus der Perspektive Ankaras, wenn nun auch noch die Befürworter einer türkischen EU-Mitgliedschaft beginnen, ihren Standpunkt mit religiös-kulturellen Argumenten zu untermauern.

April 1998

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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