Mit Verwunderung und leichter Befremdung registriert der in Ankara "stationierte" Beobachter die Richtung, in welche die Diskussion um eine EU-Mitgliedschaft der Türkei zu gleiten droht. Seit im März 1997 einige Spitzenpolitiker christdemokratischer Parteien in Brüssel über den christlichen Charakter der Union räsoniert haben, kreist die öffentliche Diskussion mehr und mehr um die Frage, ob denn einem Land mit islamisch geprägter Kultur überhaupt der Zutritt in die EU zu gewähren sei. In der Türkei selbst wächst die Überzeugung, nicht politische und ökonomische Hindernisse, sondern die simple Tatsache ein islamisches Land zu sein, habe dazu geführt, daß die EU in ihrem Luxemburger Beschluß von Mitte Dezember 1997 der Türkei einen Platz in der letzten Reihe zugewiesen hat. Eine innenpolitische Grundstimmung, auf die Ministerpräsident Mesud Yilmaz nicht zuletzt abzielte, als er die EU-Politik der Bundesregierung mit der Nazi-Doktrin vom "Lebensraum im Osten" verglich. 1) Als fast schon grotesk erscheint aus der Perspektive Ankaras, wenn nun auch noch die Befürworter einer türkischen EU-Mitgliedschaft beginnen, ihren Standpunkt mit religiös-kulturellen Argumenten zu untermauern.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.