Ausgabe Dezember 1998

Kosovo: Not kennt kein Gebot?

Das erste Opfer

Zum ersten Opfer der NATO-Intervention im Kosovo-Konflikt sind die freien Medien in Serbien und somit die Demokratie geworden. Im Schatten des Abkommens mit dem US-Emissär Richard Holbrooke hat Serbiens Alleinherrscher Slobodan Miloševic im Oktober ein groteskes Informationsgesetz beschließen lassen, auf Grund dessen die Tageszeitungen Naša Borba, Danas, Dnevni Telegraf sowie das Nachrichtenmagazin Evropljanin verboten wurden. Ihnen wurde „unpatriotische“ und „defätistische“ Berichterstattung vorgeworfen, „Vergehen“, die vom neuen Gesetz mit Strafe bedroht werden. Welche öffentlich vorgetragenen Gedanken in diese Kategorie fallen, entscheidet ein Verwaltungsgericht. Unter quasi-legalen Vorwänden hat man auch einige Hörfunksender zum Schweigen gebracht. Etwa 400 Journalisten sind deswegen arbeits- und weitgehend mittelos geworden. In die Redaktion der wenigen noch übrig gebliebenen unabhängigen politischen Medien ist die nackte Angst eingekehrt. Die neuen Vorschriften erlauben die Beschlagnahme von persönlichem Eigentum verantwortlicher Redakteure im Falle einer Bestrafung für „presserechtliche“ Vergehen. Vorgesehen sind Strafen, die das monatliche Durchschnittseinkommen im Lande um das Siebenhundertfache übersteigen.

Dezember 1998

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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