Ausgabe Januar 1998

Hochschule in Bewegung: Eine Bewegung in der Falle ihrer Freunde?

Als Studierende die Frankfurter Börse besetzen wollten, wurden sie freundlich hereingebeten, mit heißem Kirschsaft bewirtet, mit 26 Computern sowie zehn weiteren Praktikumsplätzen beschenkt und mit Ratschlägen eingedeckt: Examen nach sechs Semestern, Graduiertenstudium vielleicht nach einer Zeit der Bewährung im Beruf, Konkurrenz zwischen den Unis um die Student(inn)en und wohl auch zwischen den Abiturient(inn)en um die begehrteren Studienorte. So berichtete die „Frankfurter Rundschau“. Die räumlich benachbarte „Frankfurter Allgemeine Zeitung für Deutschland“, die Präsidenten der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände und der Rektorenkonferenz sowie der Bundeskanzler bekundeten Verständnis für die Aktionen der Studierenden.

Da nach einer einflußreichen sozialwissenschaftlichen Lehre Politik als Marktverhalten interpretiert werden kann, in dem es auf Stimmen-Maximierung ankommt, und da andererseits auch Gewerbeunternehmen – nämlich große Zeitungen – an der Würdigung des Protests beteiligt sind, lohnt es sich, den Vorgang auch unter diesem Aspekt zu betrachten. Dabei lernt man nicht unbedingt, wie die Welt wirklich ist, aber wie sie angeschaut wird und welche Konsequenzen aus dieser Wahrnehmung gezogen werden.

Januar 1998

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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