Ausgabe Januar 1999

Brief des Bundestagspräsidenten vom 2. Dezember 1998 zur Blätter-Initiative Betr.: Wiedergutmachung

Sehr geehrter Herr Bredthauer,

herzlichen Dank für Ihre mit Schreiben vom 05. November 1998 übermittelten guten Wünsche zur Übernahme meines Amtes.

Mit Ihrem Brief machen Sie mich zugleich auf die Initiative der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ aufmerksam, mit der Wiedergutmachungsleistungen für Zwangsarbeiter und für die noch lebenden Verfolgten des NS-Regimes gefordert werden.

Bitte erlauben Sie mir, zunächst daran zu erinnern, daß sich die Bundesrepublik Deutschland der Verpflichtung, das vom verbrecherischen NS-Regime verübte Unrecht moralisch und finanziell wiedergutzumachen, nicht entzogen hat. Der Deutsche Bundestag und die Bundesregierung haben sich jederzeit der historischen Verantwortung für die menschenverachtenden NS-Gewalttaten und die hieraus entstandenen Folgen gestellt. Seit ihrer Gründung war die Bundesrepublik Deutschland bestrebt, im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten Entschädigungsregelungen zu schaffen. Dabei hat sie mit allen Beteiligten, insbesondere auch mit den Verfolgtenorganisationen, eng zusammengearbeitet. Die bisher von Deutschland erbrachten Leistungen auf dem Gebiet der Wiedergutmachung belaufen sich auf über 100 Mrd. DM (auf heutige Preisverhältnisse umgerechnet ca. 212 Mrd. DM), so daß vielen NS-Opfern zumindest materiell geholfen werden konnte.

Die Gesamtleistungen auf dem Gebiet der Wiedergutmachung werden sich voraussichtlich in den nächsten Jahren auf etwa 126 Mrd. DM erhöhen. In diesem Betrag sind Leistungen in Milliardenhöhe für Wiedergutmachungszahlungen in der Sozialversicherung und in der Kriegsopferversorgung nicht erfaßt. […]

 

Leider ist dieser Beitrag in der HTML-Ansicht nur in Auszügen verfügbar. Den gesamten Text finden Sie in der PDF-Datei, die auf dieser Seite zum Download angeboten wird.

 

 

 

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo