Helmut Ridders 80. Geburtstag fällt fast zusammen mit dem 50. Jahrestag des Grundgesetzes. Er hat seine Entstehung, seine Krisen, seine Widersprüche mit Kritik, aber auch die Entwicklung seiner produktiven Momente mit kühnen Ideen, insbesondere zur Stellung der Öffentlichkeit in der Demokratie begleitet. Helmut Ridder gehörte schon während des Krieges, von einem christlichen Elternhaus in Westfalen geprägt, zu den jungen Deutschen, die die Inhumanität des NS-Regimes selbst erkannt hatten und dazu nicht erst der Erfahrung seines "Zusammenbruchs" bedurften. Die Einsicht, daß auch die deutschen Traditionen des Denkens vom Staat her, dem Staat des "deutschen Kaiserreichs" als Produkt eines "siegreichen" Krieges oder dem Staat der Weimarer Republik als Produkt eines verlorenen Krieges, zur Selbst- und Fremdentmündigung der Deutschen beigetragen haben, hat das Gravitationszentrum eines an theoretischer Anziehung und Abstoßung reichen Lebens als Lehrer, Forscher und politischer Bürger gebildet. Seine Lehr- und Forschungstätigkeit in Berlin, Frankfurt, Oxford, an der Harvard-Universität und in Bonn bis Mitte der 60er Jahre war geprägt von dem Bemühen um die Neukonstruktion eines V e r f a s s u n g s denkens, das von der Gesellschaft und eben nicht vom Staat ausging.
Am 6. September, in gut sechs Wochen, findet die wohl wichtigste deutsche Wahl dieses Jahres statt, nämlich die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Seit Monaten liegt die AfD in allen Umfragen klar vorn, stets um die 40 Prozent, mit kaum mehr einholbarem Abstand vor der Union.