Ausgabe November 1999

Sloterdijk und Houellebecq - Zwei Ansichten eine Doppeldebatte

Der Abschied vom Menschen

Im Abstand von einem Jahr haben ein französischer Schriftsteller und ein stark am französischen Denkstil orientierter deutscher Philosoph Thesen von auffallender Ähnlichkeit veröffentlicht. Beide haben heftige Diskussionen ausgelöst. Den verschiedenen Anlässen und nationalen Kontexten entsprechend ging es aber dem Inhalt nach in diesen Diskussionen um ganz Unterschiedliches.

Gerade deshalb fällt die übereinstimmende Form beider Debatten auf. Die Publikationen waren von vornherein als Medienereignisse mehr oder weniger geplant und inszeniert. Wie Houellebecq mit Hilfe seines Verlegers 1998 die rentrée littéraire, Frankreichs literarische Herbstsaison, mit Beschlag belegte und die traditionellen Literaturpreise bedeutungslos machte; wie Sloterdijk im Kontext eines deutsch-jüdischen Philosophenkongresses („Philosophie am Ende des Jahrhunderts. Heidegger und Levinas“) provokative Reizworte streute, hatte nichts Zufälliges. Hier wurde zweimal planmäßig ein Skandal vorbereitet, mit dem Ziel, von sich reden zu machen und sich in der Literatur oder der Philosophie in die oberen Ranglisten hinaufzuschwingen. Ein jüngerer literarischer Präzedenzfall wie Marie Darrieussecqs Schweinmutation oder Baudrillards philosophische Ausfälle dürften dabei als Vorbild gedient haben.

November 1999

Sie haben etwa 27% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 73% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo