Ausgabe August 2000

Die Erweiterung darf keine Flucht nach vorne sein

Rede des französischen Staatspräsidenten Jaques Chirac vor dem Deutschen Bundestag am 27.Juni 2000 (Auszüge)

Als erstes ausländisches Staatsoberhaupt sprach der französische Präsident Jacques Chirac am neuen Sitz des Bundestages in Berlin zu den Abgeordneten. Ausführlich ging er bei dieser Gelegenheit auf Fragen ein, die Bundesaußenminister Fischer einige Wochen zuvor in der Berliner Humboldt-Universität aufgeworfen hatte. ("Vom Staatenverbund zur Föderation - Gedanken über die Finalität der europäischen Integration". Vgl. den Wortlaut der Fischer-Rede in "Blätter", 6/2000, S. 752-761, sowie die Debattenbeiträge im vorliegenden Heft.) Wir dokumentieren die entsprechenden Passagen. D. Red.

[...]

Es werden bald vierzig Jahre her sein, dass General de Gaulle bei seinem Besuch in der Bundesrepublik Deutschland die deutsch-französische Freundschaft mit folgenden Worten beschwor: "Unsere Annäherung und danach unsere Union - die zu den herausragenden Ereignissen in der ganzen Geschichte zählen - haben wir in die Wege geleitet, um gemeinsam handeln zu können. Die Union, damit auf dem alten Kontinent ein Damm entsteht, der mit seiner Stärke, seinem Wohlstand und seine[r] Autorität den Vereinigten Staaten ebenbürtig ist. Die Union, damit ganz Europa zum gegebenen Zeitpunkt zu einem ausgewogenen Kräfteverhältnis zurückfinden und seinen Frieden und seine Entwicklung sichern kann.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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