Ausgabe Dezember 2000

Slowakische Übergänge

Die Slowakei durchläuft seit der Wende von 1989 und der Unabhängigkeit 1993 einen komplizierten gesellschaftlichen Umwandlungsprozess. Auch wenn sich die Situation infolge der Politik der seit 1998 amtierenden Anti-Meciar-Koalition den Verhältnissen in Ungarn, Tschechien und Polen zusehends annähert, unterscheidet sich die Transition deutlich von den Nachbarstaaten. Wesentliche Ursachen für die Besonderheiten des Übergangs sind schon in der realsozialistischen Ära angelegt. Erst vor diesem Hintergrund werden das Phänomen Vladimir Meciar und die beim Versuch zu dessen Überwindung entstehenden Probleme verständlich. Die Koalitionsregierung aus konservativen Christdemokraten bis hin zur gemäßigten Linken hat sich in den knapp zwei Jahren ihrer Amtszeit bei der Reorganisation der Wirtschaft ziemlich verschlissen.

Derzeit findet eine Aufsplittung des demokratischen Blocks statt. Eine neue Politikergeneration strebt zur Macht, die Politik als Medienereignis inszeniert und der die "Neue Ökonomie" ebenso wie Handy und Internet zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Ein geschwächter Meciar versucht die Widersprüche der jungen Demokratie auszunutzen. Voraussichtlich stehen 2001 vorzeitige Neuwahlen an.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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