Im Oktober 2000 jährt sich zum zehntenmal der Anschluß der neuen Länder an die Bundesrepublik. Viel ist bereits über Verlauf und Ergebnisse der Transformation von Gesellschaft und insbesondere der Wirtschaft in den neuen Ländern nachgedacht und geschrieben worden, aber nur selten finden sich in der Flut der Artikel, Kommentare und vor allem der regierungsamtlichen Erklärungen nüchterne sozialkritische Wertungen dieses historischen Prozesses. Es scheint sich vielmehr fortzusetzen was schon zu Beginn des „Aufschwung Ost“ typisch war: Wunschdenken ergänzt mangelhafte Analyse der Interessen und Möglichkeiten jener Akteure, die zu Gestaltern der sich transformierenden ostdeutschen Wirtschaft wurden. Der ostdeutschen Bevölkerung wurden 1990/91 blühende Landschaften sowie Produktivität und Einkommen wie in Westdeutschland offiziell versprochen. Die damals für diese Ziele prophezeiten „Zeiträume von drei bis fünf Jahren“, kritisiert ein Bericht der gegenwärtigen Regierung zu Recht als Fehleinschätzung.1 Der Weg zu solchen Wachstumssprüngen, so verkündeten Anfang der 90er Jahre die Initiatoren des „Aufschwung Ost“, führe über die rigorose „Sanierung durch Privatisierung“ der Treuhand-Unternehmen und die strikte Handhabung des Prinzips „Rückgabe vor Entschädigung“.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.