Ausgabe Mai 2000

Das Internet als strukturelle Ideologie

Im Laufe der letzten Zeit ist das World Wide Web zu einem Massenmedium wie viele andere auch gemacht worden. Darüber hinaus hebt es sich jedoch gerade von eben jenen durch die ihm immanenten Versprechungen einer angeblich demokratischen Kommunikation ab. Das global village, so wird uns gesagt, sei durch die globale Vernetzung des Internet nun wirklich in ein "globales Ganzes" verwandelt worden - der freie Welthandel schafft sich seine Kommunikation. Wir sind also hier nur am Rande mit einer technologischen Frage konfrontiert, vielmehr birgt die Struktur des Internet eine Ideologie in sich, die nur allzu genau die bestehende Ordnung der Welt, wie sie sich uns zu Beginn des 21. Jahrhunderts offenbart, repräsentiert.

"Information", "Erfahrung", "Realität"

"Online" zu sein, einen "Live-Broadcast" zu empfangen, Echtzeitgespräche im Chatroom zu führen, vermittelt den UserInnen den Eindruck, Teil eines kollektiven Ganzen zu sein. Was gestern die Fernsehnation war, ist heute die Internet-Welt.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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