Ausgabe Mai 2000

Die Heimholung des Helmut Kohl

Es war fürwahr ein Husarenstück. Keine vier Monate ist es her, daß die damalige Generalsekretärin die CDU aufforderte, ihr "pubertäres Verhältnis" Helmut Kohl gegenüber zu beenden. Inzwischen ist Angela Merkel ihrem Namen entsprechend engelsgleich aus der Pubertät direkt zum Parteivorsitz aufgestiegen. In Rekordzeit wurde Kohls Mädchen erst zur Trümmerfrau der CDU und dann zu deren Star. Die heilige Angela, die neue Lichtgestalt der CDU. Ex oriente lux. Mit dem Essener Parteitag ist die Aufklärung definitiv am Ende, werden die Aufräumarbeiten endgültig eingestellt. Die Propaganda des Brutalstmöglichen und Schonungslosesten hat ihre Schuldigkeit getan. Von Affären soll nicht mehr die Rede sein, von Krise ganz zu schweigen. Aufbruch heißt die Devise. Zur Sache eben. Doch mit welchem Resultat? Das vielbeschworene "Geheimnis" der Angela Merkel ist seit dem 10. April gelüftet.

Die neue CDU soll die alte bleiben dürfen. Mehr noch: Wurde davor oft gefragt, ob Angela Merkel an Helmut Kohl oder Wolfgang Schäuble anknüpfen werde, ist diese Frage seit Essen entschieden. Schäuble, von nicht wenigen Delegierten mit Mißachtung ob seiner klaren Worte zu den Parteiintrigen gestraft, wurde seine Opferrolle nur schwach gedankt.

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Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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