Ausgabe Mai 2000

Die Heimholung des Helmut Kohl

Es war fürwahr ein Husarenstück. Keine vier Monate ist es her, daß die damalige Generalsekretärin die CDU aufforderte, ihr "pubertäres Verhältnis" Helmut Kohl gegenüber zu beenden. Inzwischen ist Angela Merkel ihrem Namen entsprechend engelsgleich aus der Pubertät direkt zum Parteivorsitz aufgestiegen. In Rekordzeit wurde Kohls Mädchen erst zur Trümmerfrau der CDU und dann zu deren Star. Die heilige Angela, die neue Lichtgestalt der CDU. Ex oriente lux. Mit dem Essener Parteitag ist die Aufklärung definitiv am Ende, werden die Aufräumarbeiten endgültig eingestellt. Die Propaganda des Brutalstmöglichen und Schonungslosesten hat ihre Schuldigkeit getan. Von Affären soll nicht mehr die Rede sein, von Krise ganz zu schweigen. Aufbruch heißt die Devise. Zur Sache eben. Doch mit welchem Resultat? Das vielbeschworene "Geheimnis" der Angela Merkel ist seit dem 10. April gelüftet.

Die neue CDU soll die alte bleiben dürfen. Mehr noch: Wurde davor oft gefragt, ob Angela Merkel an Helmut Kohl oder Wolfgang Schäuble anknüpfen werde, ist diese Frage seit Essen entschieden. Schäuble, von nicht wenigen Delegierten mit Mißachtung ob seiner klaren Worte zu den Parteiintrigen gestraft, wurde seine Opferrolle nur schwach gedankt.

Sie haben etwa 17% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 83% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Parteien