Ausgabe Dezember 2001

Der Orient im Okzident

Streifzüge durch die islamische Tradition Europas

"Aqui se habla andaluz!" Ein Aufkleber mit diesem Spruch prangt genau zwischen den beiden Emblemen zweier großer deutscher Biermarken - an der Eingangstür des Cafés Morilla in Tarifa. Der Ort liegt so weit im Süden Spaniens, dass bei klarer Sicht deutlich das Ufer Marokkos zu erkennen ist. Kein Wunder, dass der Hafen von Tarifa das Ziel vieler Reisender ist; jener, die mit der Fähre nach Nordafrika übersetzen möchten, oder derer, die umgekehrt aus Nordafrika in die Länder Europas gelangen wollen - legal oder illegal. Angesichts all der Fremden, die tagtäglich durch Tarifa strömen, wirkt der Aufkleber "Hier spricht man Andalusisch" so weltoffen wie das ostfriesische Pendant, mit dem vor Jahren manch norddeutscher Autofahrer naggelte: "Ick snack Platt! - Du uck?"

Der Aufkleber in Tarifa ist noch eine dümmliche Steigerung: Denn er drückt Spanisch aus, was er spanisch ausdrücken muss, weil es zwar Baskisch oder Katalanisch oder Ostfriesisch gibt, nicht jedoch Andalusisch. "Andaluz" ist bestenfalls ein nuscheliger Akzent, mit dem das Spanisch der Bewohner Südspaniens gefärbt ist.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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