Ausgabe Dezember 2001

Der Orient im Okzident

Streifzüge durch die islamische Tradition Europas

"Aqui se habla andaluz!" Ein Aufkleber mit diesem Spruch prangt genau zwischen den beiden Emblemen zweier großer deutscher Biermarken - an der Eingangstür des Cafés Morilla in Tarifa. Der Ort liegt so weit im Süden Spaniens, dass bei klarer Sicht deutlich das Ufer Marokkos zu erkennen ist. Kein Wunder, dass der Hafen von Tarifa das Ziel vieler Reisender ist; jener, die mit der Fähre nach Nordafrika übersetzen möchten, oder derer, die umgekehrt aus Nordafrika in die Länder Europas gelangen wollen - legal oder illegal. Angesichts all der Fremden, die tagtäglich durch Tarifa strömen, wirkt der Aufkleber "Hier spricht man Andalusisch" so weltoffen wie das ostfriesische Pendant, mit dem vor Jahren manch norddeutscher Autofahrer naggelte: "Ick snack Platt! - Du uck?"

Der Aufkleber in Tarifa ist noch eine dümmliche Steigerung: Denn er drückt Spanisch aus, was er spanisch ausdrücken muss, weil es zwar Baskisch oder Katalanisch oder Ostfriesisch gibt, nicht jedoch Andalusisch. "Andaluz" ist bestenfalls ein nuscheliger Akzent, mit dem das Spanisch der Bewohner Südspaniens gefärbt ist.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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