Amerikanische Politik wirkt auf viele Beobachter als "permanenter Wahlkampf": Kaum ist ein Präsident der Vereinigten Staaten gewählt, startet das nächste Rennen ums Weiße Haus. Wird es künftig effizienter und fairer verlaufen als die letzten Presidential Elections, die Amerika und den Rest der Welt über Wochen hinweg erzürnt und erheitert haben? Vor dem Urnengang wollten Senatoren die Bundeswahlkommission mit einer Reform des hinfälligen Wahlsystems beauftragen. Weil angeblich das Geld fehlte, nahm das Verhängnis seinen Lauf: George W. Bush hat nicht nur die Mehrheit der Stimmen um eine halbe Million verfehlt, bei korrekter Auszählung wäre er womöglich auch in Florida unterlegen. Wie tief sitzt der Verdacht, die erste Präsidentschaft des neuen Jahrtausends sei "gestohlen" worden? Für Amerika-Begeisterte standen Legitimität und Stabilität der US-Demokratie stets außer Zweifel, schon die Frage galt ihnen als Beweis von Hochmut oder Niedertracht. Auf der anderen Seite las man von einer an Haupt und Gliedern "kranken Demokratie" ("Le Monde diplomatique") das übliche Wechselspiel von Pro- und Antiamerikanismus. Aber ohne Zweifel steckt die Politik in den USA in einem Reformstau, und das lokale Wahldebakel von Florida lässt Schlüsse auf die liberale Demokratie insgesamt zu.
Vor dem Dolmabahçe-Palast am Bosporus hat die Polizei den Gehweg abgesperrt. Aktivistinnen der Republikanischen Volkspartei (CHP) aus dem Istanbuler Bezirk Beşiktaş demonstrieren hier seit Wochen gegen die juristischen Eingriffe in ihre Partei, die stärkste Oppositionskraft des Landes.