Ausgabe Februar 2001

Das Dilemma der wehrhaften Demokratie

Nach langem Hin und Her herrscht endlich Klarheit: "Die Republikaner" (Reps) dürfen vom Verfassungsschutz auch mit geheimen Mitteln beobachtet werden. Das hat Ende Oktober 2000 der 11. Senat des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Lüneburg nach einem acht Jahre währenden Rechtsstreit zwischen der Partei und dem Land Niedersachsen entschieden (Az. 11 L 87/00). Dieser langwierige, gerichtlich ausgetragene Zwist ist symptomatisch für das Dilemma einer Demokratie, die sich einerseits liberal-rechtsstaatlich gerieren will, andererseits aber glaubt, gegen ihre Feinde die prekärsten geheimdienstlichen Register ziehen zu müssen, um ihrem Attribut "wehrhaft " gerecht zu werden - wobei andere, effektivere und sinvollere Möglichkeiten der Bekämpfung von Neonazismus, rechter Gewalt und Fremdenfeindlichkeit allzu leicht aus dem Blickfeld geraten. Bereits Ende 1999 hatte das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in einem Grundsatzurteil entschieden, dass die Reps vom Verfassungsschutz nachrichtendienstlich beobachtet werden dürften, nachdem die Partei gegen einen Beschluss des OVG Lüneburg Revision eingelegt hatte.

Die niedersächsischen Reps, so das Bundesgericht, verfolgten "verfassungsfeindliche Bestrebungen". Dabei verwende die Partei die gleichen propagandishschen Muster wie sie für rechtsextreme, antidemokratische Vereinigungen typisch seien.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema