Ausgabe Januar 2001

Never before

Bush gegen Gore und die politische Kultur Amerikas

Wow, dieser Tage ist es einfach großartig, ein Europäer zu sein, und allemal ein europäischer Journalist. Während nach wie vor die wenigsten Beteiligten wissen, was denn eigentlich die europäische Identität ausmacht - Gefühl, Auffassung und Legitimation, um von politischer Partizipation und demokratischer Entscheidungsfindung gar nicht zu reden -, stellt die Gewißheit, kein Amerikaner zu sein, derzeit ganz sicher einen Quell der Befriedigung und großen Stolzes dar. Zumindest für diejenigen, die nicht in Zusammenhang mit einer Nation von Versagern und Idioten gebracht werden wollen. Als solche tauchten die Amerikaner jedenfalls in Europas Berichterstattung über die einzigartigen Vorgänge bei der Präsidentschaftswahl auf.

Wie schön muß es sein, die eigenen Vorurteile ohne viel Forschen, Nachdenken und Herumstochern bestätigt zu finden. Das ist einfach, bequem, effizient, und es findet die Zustimmung von Freunden und Verwandten. Mag die "Titanic", deren Credo nun mal darin besteht, Sarkasmus auf die Spitze zu treiben, mit der CoverHeadline "Amerika nach der Wahl: Das dümmste Volk der Welt" ein Sonderfall sein, so trifft das doch den Tenor vieler europäischer und vor allem deutscher Kommentare zu den Ereignissen in den Vereinigten Staaten seit dem 7. November.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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