Von der europäischen bis zur kommunalen Politik und von den Verbrauchern bis zu den Anbietern wird derzeit nach Ursachen für die BSE-Seuche gesucht. Wie konnte so etwas passieren? Wer ist schuld an der Verbreitung von BSE? Und welche Lehren sollten daraus gezogen werden? Die Beantwortung dieser Fragen erscheint auf den ersten Blick ziemlich kompliziert. Die naturwissenschaftliche Ursachenermittlung steckt noch immer in den Kinderschuhen. Trotz mehr als zehnjähriger Forschungen wissen wir kaum Genaues über Ansteckungswege, Übertragbarkeiten und Ursprünge der Seuche. Gelernt haben (sollten) wir in den letzten Jahren allerdings eine ganze Menge darüber, inwieweit wir uns in der Analyse und der Bearbeitung von Großrisiken auf unsere politischen Institutionen und die Wissenschaft verlassen können. Schon ein kurzer Überblick über die Geschichte der Seuche zeigt, daß sowohl die Politik wie auch die Wissenschaft in einem nur als katastrophal zu bezeichnenden Maße als Instanzen der Problembearbeitung versagt haben. Die BSE-Affäre liefert allerdings nicht nur eine Geschichte des Versagens. Sie kann auch als Chance verstanden werden, wenn sie dazu führt, daß Bürger in der Risikogesellschaft sich wieder verstärkt der Notwendigkeit eigenständiger und ethisch reflektierter Entscheidungskompetenz bewußt werden.
Alle paar Jahrzehnte erlebt Europa einen Moment, an dem seine politischen Strukturen nicht mehr in die Zeit passen. Diese Momente haben die EU zu dem gemacht, was sie heute ist.