Die Grenze zwischen Demokratie und Barbarei ist zuweilen fließend. Jahrzehntelang galt die Elfenbeinküste, mächtigstes Land des frankophonen Westafrika, als Hort des Friedens und der Stabilität. Aber als Ende Oktober das Volk zum ersten Mal seinen Willen gegen eine renitente Miiltärregierung durchsetzte, erinnerten die begleitenden Gewalttaten sogleich an den ruandischen Genozid. Es waren regelrechte Pogrome, die am 26. und 27. Oktober in der Elfenbeinküste von Anhängern des frischgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo zusammen mit Polizei und Teilen des Militärs gegen Muslime und Angehörige der nordivoirischen Dioula-Ethnie verübt wurden. Die Berichte der Überlebenden gleichen Horrorgeschichten: Der Gastwirt kann nicht vergessen, wie die Polizei sein Restaurant anzündete; der junge Mann sagt aus, daß er nach seiner Festnahme in Stacheldraht eingewickelt wurde und man ihm befahl, sich innerhalb von drei Minuten selbst zu befreien, sonst werde er erschossen.
Als der Direktor der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Ghebreyesus, am letzten Maiwochenende das Epizentrum des derzeitigen Ebola-Ausbruchs im Osten der Demokratischen Republik Kongo besuchte, war dies ein verzweifelter Akt.