Ausgabe März 2001

Malaisen einer Staatspartei

"Wir dürfen das Niveau nicht weiter absenken."

Friedrich Merz 1)

Ende 1999 plädierte die damalige Generalsekretärin der ob der Spendenaffäre im allgemeinen und des Finanzgebarens ihres ehemaligen Vorsitzenden im besonderen arg gebeutelten CDU für einen radikalen Schnitt. In einem FAZ-Beitrag läutete sie "die neue Zeit" ein: "Wir kommen nicht umhin, unsere Zukunft selbst in die Hand zu nehmen. [...] Die Partei muss [...] laufen lernen, muss sich zutrauen, in Zukunft auch ohne ihr altes Schlachtross, wie Helmut Kohl sich oft selbst gerne genannt hat, den Kampf mit dem politischen Gegner aufzunehmen." 2) Folgt man den unter "Tagebuch" firmierenden Auslassungen des ExKanzlers, verstand der nach Abwahl und anschließender Demission vom Parteiamt artig mit dem Titel des Ehrenvorsitzenden dekorierte Kohl ("Auch wenn ich kein Sammler von Ehrentiteln bin meine heutige Berufung zum Ehrenvorsitzenden der CDU empfinde ich als bedeutende Auszeichnung." 3) die Welt nicht mehr.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

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