Ausgabe Mai 2001

Mit der Weißheit am Ende

Australien und das Erbe des Rassismus

Nach den Olympischen Spielen des Jahres 2000 setzte der australische Premierminister auf den Geist von Sydney. Der hätte gezeigt, daß das australische Volk ebenso "tüchtig" wie "einig" wäre, sein Erbe voll Stolz betrachtete, keine Identitätsprobleme hätte und optimistisch in die Zukunft blickte. Außerdem hätte die Entzündung des olympischen Feuers durch eine Repräsentantin der Aborigines demonstriert, daß die Nation auf dem Weg der Versöhnung weiter vorangekommen wäre, als "studierte Schlechtmacherei" und "dumpf vor sich hin brütender Pessimismus" behaupteten. 1) Tatsächlich erinnern nicht erst die jüngsten Wahlerfolge der desolaten One Nation-Partei in Westaustralien und Queensland daran, daß Australien auf dem Weg zur multikulturellen Gesellschaft mit der Aufarbeitung seiner rassistischen Vergangenheit weiter zu tun hat. 2) Auch die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele ließ dies deutlich werden. Zwar glänzte sie mit einem Feuerwerk an Einfällen und einer Vielfalt von Farben. Doch unter den inszenierten Tableaus aus der Geschichte Australiens war auch die Ankunft einer ebenso bunten wie ausgelassenen Menge von Immigranten zu sehen, die sich tanzend und vergnügt zu einem multikulturellen Ensemble fügten.

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