In Frankreich gelingt Le Pen der Einzug in die Stichwahl der Präsidentschaftswahlen, in den Niederlanden schockt Pim Fortuyn bis zu seiner Ermordung mit hohen Popularitätswerten, in Italien feiert Berlusconi sein erstes Jahr als Ministerpräsident mit hohen Zustimmungswerten in der Bevölkerung - in Freiburg dagegen wird erstmals ein Grüner Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt und der Kandidat der Linken Liste Freiburg erreicht im ersten Wahlgang 14,3%. "Von Freiburg lernen, heißt siegen lernen", verkündete der neue grüne OB Dieter Salomon nach der Wahl. Freiburg habe gezeigt, wie wichtig für die Grünen Persönlichkeiten seien, die über das reine Parteimilieu hinaus Anerkennung finden. Dass der Erfolg Salomons Persönlichkeit zuzuschreiben sei, mochten nicht alle Beobachter so sehen. "So wünscht sich die deutsche Mutter den idealen Schwiegersohn", schrieb "Der Spiegel" über den grünen OB-Kandidaten, der stets in Anzug und Krawatte auftrat und sich selbst als "Oberrealo" bezeichnete. Doch im Gegensatz zu seinen Konkurrenten von CDU und SPD ist Salomon seit Jahrzehnten in Freiburg verwurzelt und bekannt, studierte dort, sitzt seit 1990 im Gemeinderat und ist Mitglied in 16 örtlichen Vereinen vom Öko-Institut bis zum Fußballclub SC Freiburg.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.