Ausgabe Juni 2002

Freiburg ist nicht überall

In Frankreich gelingt Le Pen der Einzug in die Stichwahl der Präsidentschaftswahlen, in den Niederlanden schockt Pim Fortuyn bis zu seiner Ermordung mit hohen Popularitätswerten, in Italien feiert Berlusconi sein erstes Jahr als Ministerpräsident mit hohen Zustimmungswerten in der Bevölkerung - in Freiburg dagegen wird erstmals ein Grüner Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt und der Kandidat der Linken Liste Freiburg erreicht im ersten Wahlgang 14,3%. "Von Freiburg lernen, heißt siegen lernen", verkündete der neue grüne OB Dieter Salomon nach der Wahl. Freiburg habe gezeigt, wie wichtig für die Grünen Persönlichkeiten seien, die über das reine Parteimilieu hinaus Anerkennung finden. Dass der Erfolg Salomons Persönlichkeit zuzuschreiben sei, mochten nicht alle Beobachter so sehen. "So wünscht sich die deutsche Mutter den idealen Schwiegersohn", schrieb "Der Spiegel" über den grünen OB-Kandidaten, der stets in Anzug und Krawatte auftrat und sich selbst als "Oberrealo" bezeichnete. Doch im Gegensatz zu seinen Konkurrenten von CDU und SPD ist Salomon seit Jahrzehnten in Freiburg verwurzelt und bekannt, studierte dort, sitzt seit 1990 im Gemeinderat und ist Mitglied in 16 örtlichen Vereinen vom Öko-Institut bis zum Fußballclub SC Freiburg.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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