Als der deutsche Diplomat Michael Steiner im Mai 1997 sein Amt als stellvertretender Hoher UN-Repräsentant in Bosnien aufgeben musste, schrieben Tausende Bosnier Bittbriefe nach Bonn, ihn im Lande zu lassen – vergebens. Als Steiner im Februar 2002 im Kosovo seinen neuen Posten als Sondergesandter des Generalsekretärs der Vereinten Nationen (SRSG) antrat, stieß er allenthalben auf "Erwartungen, die mir fast ein bisschen unheimlich sind [...], es ist so, dass man fast zu viel erwartet". Als der vermeintliche "Strongman" den Job am 30. Juni 2003 überstürzt verließ, hallten ihm Flüche nach: Nexhat Daçi, albanischer Präsident des Kosovo-Parlaments, verteufelte ihn öffentlich als "Instrument des serbischen Imperialismus" – Nebojša Čović, serbischer Vizepremier und Kosovo-Beauftragter Belgrads, nannte ihn "den verlängerten Arm albanischer Ansprüche". Und die internationale Gemeinschaft verordnete auf dem EU-Gipfeltreffen in Thessaloniki Belgrad und Priština Ende Juni bilaterale Gespräche "über alles, ausgenommen den finalen Status des Kosovo".
Alle paar Jahrzehnte erlebt Europa einen Moment, an dem seine politischen Strukturen nicht mehr in die Zeit passen. Diese Momente haben die EU zu dem gemacht, was sie heute ist.