Ausgabe Dezember 2003

Comeback der drei Welten

Der amerikanische Sonderweg und die Alternativmacht Europa

Am 7. April 2002 veröffentlichte Robert Cooper, britischer Diplomat und derzeit Direktor der Generaldirektion Auswärtige Beziehungen beim Generalsekretariat der EU, im Observer einen Artikel mit dem Titel "Why We Still Need Empires".1 In diesem Artikel wird eine neue Dreiteilung der Welt in eine postmoderne, eine moderne und eine prämoderne Zone vorgenommen. Zur postmodernen Zone gehören die Mitglieder der Europäischen Union, die durch offene Grenzen und einen hohen Grad gegenseitiger Verflechtung gekennzeichnet ist. Zur Lösung transnationaler Probleme haben diese Staaten einen Teil ihrer Souveränität an europäische Institutionen abgegeben. Zur modernen Zone gehören Staaten wie Russland, China, Indien oder Pakistan, die weiterhin der Logik des Westfälischen Staatensystems folgen und für die die strikte Behauptung ihrer nationalen Souveränität die oberste Prämisse der Politik ist. Zur prämodernen Zone gehört die wachsende Zahl der "gescheiterten Staaten" (failed states) oder "Quasi-States"2 in Afrika südlich der Sahara, in Zentralasien oder im Andenbereich Lateinamerikas - überall da, wo der Staat kaum noch Funktion besitzt und seine Souveränität nach innen wie nach außen mehr oder weniger verloren hat.

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