Ausgabe Dezember 2003

Scheitert Europa?

Das Jahr 2003 avancierte für Europa zu einem Jahr mehr oder weniger produktiver Konfrontation – zwischen alten und neuen, Kern- und Randeuropäern –, aber auch zu einem Jahr erstaunlicher Versuche der europäischen Selbstverständigung über Chancen, Risiken und Grenzen des Kontinents. In der Reihe "Streitraum" an der Berliner Schaubühne diskutierten am 14. September der französische Philosoph Etienne Balibar und der polnische Publizist Adam Krzemi½ski über die "Mission Europas" in Vergangenheit und Zukunft. Die Gesprächsleitung hatte der Publizist Mathias Greffrath. Mit dem freundlichen Einverständnis der Beteiligten haben die "Blätter" eine Druckfassung erarbeitet, die den Gesprächsverlauf in seinen Kerngedanken einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. – D. Red.

Greffrath: Das Projekt Europa ist an einem Scheideweg angelangt. Im Mai nächsten Jahres steht die EU-Erweiterung um zehn neue Mitglieder an, derzeit wird heftig um die Verabschiedung des Verfassungsentwurfs gerungen. Es drängen neue Staaten mit großen Erwartungen in die EU, und die alten, denen die Union einen ungeheuren Standard an Wohlstand garantiert hat, fürchten den Abstieg. Zudem förderte der Irakkrieg die Spaltung des Kontinents in – wie es das obskure Rumsfeld-Diktum suggerierte – alte und neue Europäer.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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