Ausgabe Februar 2003

Turkophobie

Die Aufnahme der Türkei in die Europäische Union stößt auf pragmatische und prinzipielle Einwände. Die pragmatischen Überlegungen, beispielsweise zu den Grenzen der Ausdehnungsfähigkeit Europas oder zu den ökonomischen Risiken, verdienen Beachtung, ihre Schlüssigkeit für das Pro oder Contra lässt sich jedoch schwer abschätzen, da es um komplexe Ermessensentscheidungen geht. Letztlich schieben die Beitrittsgegner diese Argumente jedoch nur vor, ihr Haupteinwand ist prinzipieller Natur. Einmütig erklären sie: Die Türkei gehört nicht zum europäischen Kulturkreis. Ihre kulturellen Überlieferungen machen die Türken unfähig, Europäer zu werden. Die Türkei soll daher draußen bleiben.

So sieht Heinrich AugustWinkler, der Berliner Historiker, den „Kern des Problems“ darin, „dass in jenem Teil Europas, der zum historischen Okzident gehört und bis zur Reformation sein geistiges Zentrum in Rom hatte“, sich die Trennung von geistlicher und weltlicher Gewalt „in einem Jahrhunderte währenden Prozess vollzog“,wohingegenin der Türkei die Säkularisierung erst im 20. Jahrhundert mit autoritären Mitteln erfolgte. Noch schlimmer: Die Staatsdoktrin der Türkei sei „areligiös“ ja sogar „religionsfeindlich“.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Zukunft des Regierens: Projekte statt Koalitionen?

von Albrecht von Lucke

Eigentlich hätte es ein perfekter Start ins neue Jahr für die Grünen sein können: Mit präsidialer Begleitung und stolz geschwellter Brust feierte die Partei ihren 40. Geburtstag und wurde im Hochgefühl ihrer starken Umfrageergebnisse prompt zur neuen Kanzlerschaftsfavoritin geadelt: „Wer besiegt Robert Habeck?“, fragt scheinbar voller Sorgen „Die Welt“.