Ausgabe Oktober 2003

Das postkommunistische Paradox

Wie die polnischen Sozialdemokraten am eigenen Erfolg scheitern

Euphorisch feierten die polnischen Sozialdemokraten vom "Demokratischen Linksbund" (SLD) im September 2001 ihren bereits zweiten Wahlsieg in der kurzen Geschichte der Dritten Republik. Im Gegensatz zu 1993, als die Formation hauptsächlich von der Uneinigkeit der rechten Kräfte profitiert hatte, schienen die Nachfolger der kommunistischen Staatspartei nun endgültig gesellschafts- und mehrheitsfähig. Mehr noch: Im Wahlbündnis mit der schwachen, aus der Solidarnoу-Bewegung hervorgegangenen "Arbeitsunion" (UP) hatte der SLD in einem stark katholisch und agrarisch geprägten Land 41 % der Wählerstimmen erobert – mithin ein Ergebnis, von dem viele linke Parteien in den urbanen Metropolen der säkularisierten westlichen Nachbarstaaten nur noch träumen können. So fiel es auch unabhängigen Medien schwer, ihre Anerkennung für die postkommunistische Rückeroberung der Macht zu verbergen. Auf lange Sicht werde keine Formation der politischen Rechten dem SLD das Wasser reichen können, so lauteten die teils bewundernden teils verzweifelten Prognosen im September 2001.

Keine eineinhalb Jahre später sind diese Voraussagen überholt.

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