Ausgabe Oktober 2003

Mogelpackung Galileo

Galileo soll Europa unabhängig von den Amerikanern machen – mit diesem Slogan wird bis heute für das Satellitennavigationssystem geworben. Gleichwohl ist der Traum inzwischen ausgeträumt. Galileo kann in Kriegs- und Krisenfällen genauso lokal abgeschaltet oder modifiziert werden, wie dies bereits beim amerikanischen global positioning system, kurz GPS, der Fall ist. Möglicherweise haben Interessenvertreter das sogar von Anfang an gewusst, dieses Wissen aber bis heute verschwiegen.

Ohne Galileo drohe Europa zum Vasallen Amerikas zu werden, soll Frankreichs Präsident Jacques Chirac gesagt haben.1 Mit dem Argument der Unabhängigkeit wurden die enormen Kosten gerechtfertigt. Erste Schätzungen veranschlagen mindestens vier Mrd. Euro für das Projekt. Ob es dabei bleibt, ist ungewiss. Nur die Hälfte der Summe bringt die Industrie auf, den Rest zahlt der Steuerzahler. Doch auch für den lohne sich Galileo, versprachen Politiker.

GPS-Monopol

Bislang verfügen die Amerikaner bei der Satellitennavigation über ein Monopol: GPS – ursprünglich für die amerikanische Armee entwickelt – ist inzwischen selbst aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Ob Autofahrer, Segler, Hobbyflieger oder Wanderer, weltweit orientieren sich alle an den Daten des Satellitennetzes. Aber eben auch weiterhin die Militärs.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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