Ausgabe September 2003

Afrika oder: Das neue Mittelalter

Eigenlogik und Konsequenzen der Gewaltökonomie

Gut zwölf Jahre ist es mittlerweile her, dass in zahlreichen Beiträgen über die finale Krise von Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik räsoniert und damit, von vielen Autoren vielleicht unbewusst, eine Facette zur so genannten Endism-Debatte beigesteuert wurde, die zwischenzeitlich nahezu alle sozialwissenschaftlichen Disziplinen erfasst hatte. Keineswegs nur das Ende der Dritten Welt wurde konstatiert, sondern auch das Ende der Moderne, das Ende der Souveränität, das Ende des Nationalstaats, das Ende der Nationalökonomie, das Ende des westlichen Industriemodells, das Ende der Arbeit, das Ende der Geographie, das Ende einer Weltordnung, das Ende der Geschichte eingekleidet von diversen De-, Anti-, Post- und Neo-Diskursen[1] über das Ende der Ideologie, das Ende des Fortschrittsdenkens, das Ende der Philosophie, das Ende der soziologischen Theorie, damit konsequenterweise auch das Ende bzw. das Scheitern der großen Entwicklungstheorie[2]. Neben der Globalisierung, die sich in der Kompression von Raum und Zeit und damit dem Zusammenwachsen der einen Welt manifestiert, gibt es offenbar eine ebenso mächtige Gegentendenz, nämlich den Zerfall bzw. die Dekompression der einen Welt, die zum Gegenstand eines breiten Fragmentierungsdiskurses geworden ist.

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