Ausgabe September 2003

Afrika oder: Das neue Mittelalter

Eigenlogik und Konsequenzen der Gewaltökonomie

Gut zwölf Jahre ist es mittlerweile her, dass in zahlreichen Beiträgen über die finale Krise von Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik räsoniert und damit, von vielen Autoren vielleicht unbewusst, eine Facette zur so genannten Endism-Debatte beigesteuert wurde, die zwischenzeitlich nahezu alle sozialwissenschaftlichen Disziplinen erfasst hatte. Keineswegs nur das Ende der Dritten Welt wurde konstatiert, sondern auch das Ende der Moderne, das Ende der Souveränität, das Ende des Nationalstaats, das Ende der Nationalökonomie, das Ende des westlichen Industriemodells, das Ende der Arbeit, das Ende der Geographie, das Ende einer Weltordnung, das Ende der Geschichte eingekleidet von diversen De-, Anti-, Post- und Neo-Diskursen[1] über das Ende der Ideologie, das Ende des Fortschrittsdenkens, das Ende der Philosophie, das Ende der soziologischen Theorie, damit konsequenterweise auch das Ende bzw. das Scheitern der großen Entwicklungstheorie[2]. Neben der Globalisierung, die sich in der Kompression von Raum und Zeit und damit dem Zusammenwachsen der einen Welt manifestiert, gibt es offenbar eine ebenso mächtige Gegentendenz, nämlich den Zerfall bzw. die Dekompression der einen Welt, die zum Gegenstand eines breiten Fragmentierungsdiskurses geworden ist.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo