Ausgabe September 2003

Afrika oder: Das neue Mittelalter

Eigenlogik und Konsequenzen der Gewaltökonomie

Gut zwölf Jahre ist es mittlerweile her, dass in zahlreichen Beiträgen über die finale Krise von Entwicklungstheorie und Entwicklungspolitik räsoniert und damit, von vielen Autoren vielleicht unbewusst, eine Facette zur so genannten Endism-Debatte beigesteuert wurde, die zwischenzeitlich nahezu alle sozialwissenschaftlichen Disziplinen erfasst hatte. Keineswegs nur das Ende der Dritten Welt wurde konstatiert, sondern auch das Ende der Moderne, das Ende der Souveränität, das Ende des Nationalstaats, das Ende der Nationalökonomie, das Ende des westlichen Industriemodells, das Ende der Arbeit, das Ende der Geographie, das Ende einer Weltordnung, das Ende der Geschichte eingekleidet von diversen De-, Anti-, Post- und Neo-Diskursen[1] über das Ende der Ideologie, das Ende des Fortschrittsdenkens, das Ende der Philosophie, das Ende der soziologischen Theorie, damit konsequenterweise auch das Ende bzw. das Scheitern der großen Entwicklungstheorie[2]. Neben der Globalisierung, die sich in der Kompression von Raum und Zeit und damit dem Zusammenwachsen der einen Welt manifestiert, gibt es offenbar eine ebenso mächtige Gegentendenz, nämlich den Zerfall bzw. die Dekompression der einen Welt, die zum Gegenstand eines breiten Fragmentierungsdiskurses geworden ist.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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