Ausgabe Mai 2004

Italiens akademische Supermärkte

Kein Gespenst geht mehr um in Europa ... sondern die harte Realität der Marktwirtschaft. Deren enge Konditionen machen auch vor den Toren der Alma Mater nicht Halt und lassen weder Zeit noch Raum für durchaus nötige Reformüberlegungen und Maßnahmen, die zum Ziel hätten, die europäischen Universitäten den tatsächlichen Erforderungen einer demokratischen Zukunft anzupassen.

In Italien waren die Universitäten bis 1968 einer bürgerlichen Oberschicht vorbehalten, erst seit den 70er Jahren haben sie sich durch Öffnung der Zulassungsbestimmungen breiteren Volksschichten geöffnet.

Die strengen Studienordnungen mit Vorlesungen, Anwesenheitspflicht und Prüfungen wurden aufgelockert, experimentelle Neuerungen wie Seminare hielten Einzug, die jedoch zumeist von Nachwuchskräften in prekären Arbeitsverhältnissen abgehalten wurden, da die Verbeamtung der Lehrenden nicht mit den rasch steigenden Studentenzahlen Schritt hielt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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von Irina Rastorgujewa

Am Morgen des 24. März hängten unbekannte Aktivisten eine Schaufensterpuppe, die die antike römische Göttin Minerva darstellt, am Denkmal des Grafen Uwarow in der Nähe des Hauptgebäudes der Staatlichen Universität St. Petersburg auf. In der Hand der antiken Schutzherrin der Wissenschaften befand sich ein Zettel mit der Aufschrift „Die Wissenschaft ist tot“.