Ausgabe Februar 2005

Law Lords gegen Blair

Ein wenig bösartig, aber nicht ganz ohne Grund nennen viele Briten ihren Premierminister Tony Blair den Pudel George W. Bushs, weil er dem amerikanischen Präsidenten schon lange in fast allem hinterherläuft. Aber in gewisser Weise ist das ganze Großbritannien der Pudel der USA - man nennt das vornehm und diskret die "special relationship" zum großen amerikanischen Bruder. Das hat und hatte gute Gründe: Amerika ist den Briten in beiden Weltkriegen zu Hilfe gekommen, vor allem im Zweiten, als sie 1940 und 1941 vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion in Europa alleine standen. Das haben die Briten bis heute nicht vergessen. Anfang der 50er Jahre sagte Churchill, als er noch einmal als Premierminister antrat, Großbritannien werde zu Europa immer freundschaftliche Beziehungen haben, sich aber nie in irgendeiner Weise mit ihm vereinigen, denn das Vereinigte Königreich habe schließlich das Commonwealth und die "besonderen Beziehungen zu Amerika". Seitdem folgt Großbritannien den Vereinigten Staaten in fast allem - und man wird das Gefühl nicht los, das geschehe nicht nur aus Dankbarkeit oder dem Wunsch, die Amerikaner zu beeinflussen oder gar zu bremsen, sondern auch, weil Britannien in amerikanischer Gesellschaft noch ein wenig Empire, ein wenig Großmacht spielen möchte.

Nach den New Yorker und Washingtoner Anschlägen des 11.

Sie haben etwa 16% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 84% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Zukunft des Regierens: Projekte statt Koalitionen?

von Albrecht von Lucke

Eigentlich hätte es ein perfekter Start ins neue Jahr für die Grünen sein können: Mit präsidialer Begleitung und stolz geschwellter Brust feierte die Partei ihren 40. Geburtstag und wurde im Hochgefühl ihrer starken Umfrageergebnisse prompt zur neuen Kanzlerschaftsfavoritin geadelt: „Wer besiegt Robert Habeck?“, fragt scheinbar voller Sorgen „Die Welt“.