Ausgabe Januar 2005

Nach Arafat

Der Tod des langjährigen PLO-Vorsitzenden und Präsidenten der Palästinensischen Nationalbehörde (PNA) Jassir Arafat sowie die für den 9. Januar 2005 anberaumten Präsidenten- und Parlamentswahlen in den palästinensischen Gebieten werfen die Frage nach neuer Bewegung im Palästinakonflikt auf, der in den letzten Jahren heillos verfahren schien.

Von den drei großen Dimensionen dieses Konflikts - die Gründung Israels 1948 und die mit dem folgenden Krieg zusammenhängende Frage des palästinensischen Rückkehrrechts, der Status der Palästinenser in Israel und der 1967 besetzten Gebiete - ist letztere die drängendste, unmittelbar konfliktträchtigste und gleichzeitig einer Vereinbarung am ehesten zugängliche. Die nahe liegende Regelung - Rückzug Israels aus den 1967 besetzten Gebieten und Gründung eines palästinensischen Staats, also eine Zwei-Staaten-Lösung - ist seit langem in der Diskussion. Da Israel an wichtigen Teilen der besetzten Gebiete eisern festhielt und sie massiv besiedelte, kam diese Regelung nicht zum Zug; dass die Palästinenser sich nur zögerlich mit ihr anfreundeten, erleichterte Israel sein Vorgehen - es konnte auf die irredentistische Position der anderen Seite verweisen.

Mit dem Durchbruch von Oslo 1993 schien die Zwei-Staaten-Regelung in greifbare Nähe gerückt.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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