Ausgabe Januar 2005

Widerstand oder Wiederaufbau?

Der Irak vor der Wahl

Am 30. Januar 2005 sollen im Irak die ersten freien Wahlen stattfinden. Gemäß der UN-Resolution 1546 stellen sie die vielleicht bedeutendste Etappe auf dem Weg zur Wiedererlangung der vollen Souveränität des Irak dar. Bereits die Bildung der provisorischen Regierung unter Ajad Allawi, die Ernennung von Ghazi al-Jawar zum Staatspräsidenten, die Zusammensetzung der Nationalversammlung sowie die Fortschritte beim Aufbau der irakischen Armee und Polizei waren aus Sicht der USA wichtige Schritte im Rahmen des Nation-Building-Prozesses.

Dennoch müssen die Vereinigten Staaten, aber auch die beteiligten irakischen Kräfte erkennen, dass der Prozess nicht gerade planmäßig verläuft. Nach wie vor ist das Land weit von stabilen Strukturen entfernt. Von der Stadt Kirkuk im Norden entlang der syrischen bis hin zur jordanischen Grenze im Westen befindet sich der Irak faktisch im Kriegszustand. Seit der "Machtübergabe" und der Bildung der Regierung Allawi sind vor allem Regierungstruppen und Polizei Ziele der Anschläge extremer Dschihadisten. Die Hinrichtung von 49 irakischen unbewaffneten Rekruten und die Tötung weiterer 100 Menschen bei einem Mörsergranatenangriff des irakischen Widerstandes Ende Oktober 2004 zeigen die Brutalität und die Eskalation des Krieges nach dem Ende des Übergangs-Regimes von Paul Bremer.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema