Ausgabe März 2005

Europa und die Zukunft des Westens

Ein Gespräch

Der heutige Abend hat die europäische Identität und die Zukunft des Westens zum Thema.* Dabei stellt sich zunächst die Frage, ob es überhaupt sinnvoll ist, nach einer spezifischen Identität Europas zu suchen, wenn doch Europa gerade der politische Ordnungsraum ist, in dem festgelegte Identitäten immer wieder verneint, überschritten und verändert werden?

Der Begriff Identität ist in der Tat kein Begriff, den ich sehr häufig verwende. Mich beunruhigt es aber auch nicht, dass es ausgesprochen schwierig ist, so etwas wie eine europäische Identität zu definieren.

Bei Identität fallen mir drei Dinge ein, die für unsere Thematik wichtig sind: Das sind zum Ersten gemeinsame Werte; das ist zum Zweiten ein Gefühl der Zugehörigkeit oder Zusammengehörigkeit; und es ist zum Dritten eine politische Handlungseinheit, die durch eine Menge von Institutionen wirkt.

Man kann mit einiger Übertreibung sagen, dass es eine Zeit gab, in der Nationalstaaten für sich in Anspruch genommen haben, alle drei Bereiche zu vertreten: also die zentralen politischen Aktionseinheiten zu sein, ein Gefühl der Zugehörigkeit aller Bürger zu ihnen – aber eben auch nur zu ihnen, als Grundlage anzusehen und schließlich durch gewisse gemeinsame Werte gekennzeichnet zu sein. Das war sicher nicht die beste Zeit der europäischen Geschichte.

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