Ausgabe September 2006

Kanarischer Küstenschutz

Seit Wochen und Monaten dasselbe Bild: Tag für Tag landen tote und halbtote afrikanische Flüchtlinge an den kanarischen Stränden an, während sich die Touristen in der Sonne aalen. Auf Drängen Spaniens und Marokkos fand nun vom 10. bis 11. Juli d.J. der erste Europäisch-Afrikanische Gipfel zum Thema „Migration und Entwicklung“ im marokkanischen Rabat statt. Bereits der Titel illustriert das Ansinnen der Konferenz, an der Regierungschefs und Minister aus mehr als 50 Staaten sowie Repräsentanten internationaler Organisationen teilnahmen: Im Gegenzug für ihre Kooperation bei der Bekämpfung „illegaler“ Einwanderung sollen die afrikanischen Staaten finanzielle Hilfen und ihre Bürgerinnen und Bürger besseren Zugang zu den europäischen Arbeitsmärkten erhalten. Allerdings spiegeln der Verlauf der Konferenz sowie die Maßnahmen des Aktionsplans die unterschiedlichen und nur schwer zu vereinbarenden Interessen der afrikanischen und europäischen Konferenzteilnehmer wider.

Die zum Abschluss der Konferenz unterzeichnete politische Erklärung unterstreicht diese Widersprüchlichkeit, indem sie einerseits auf die Schaffung einer europäisch-afrikanischen Partnerschaft abstellt, andererseits jedoch die Interessen und Ansprüche der europäischen Länder nahezu unangetastet fortschreibt. Darüber hinaus wurde wenig Konkretes beschlossen.

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Erfahrung der Freiheit: Die Kinder von Tschernobyl

von Olga Bubich

Die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl traf die armen Regionen in Belarus besonders hart. Gut eine Million Kinder aus den verstrahlten Gebieten konnten über humanitäre Programme jahrelang ein paar Wochen in anderen europäischen Ländern verbringen.