Ausgabe November 2007

Ein Abgrund an Liebesverrat

Jede Reform hat ihre Verlierer. Doch diesmal gilt es einer besonderen Leidensgeschichte zu erinnern, die sich im vergangenen Monat ereignete: die der „klugen Köpfe“ dieses Landes, der Leser der F.A.Z.

Zum Hintergrund: Am 5. Oktober erschien die „Zeitung für Deutschland“ in völlig neuem Erscheinungsbild, auf neudeutsch: relaunched. Was folgte, war ein Aufschrei des Entsetzens – und das Ende einer jahrzehntelangen Liebesgeschichte. Im letzten Biotop des deutschen Konservatismus, auf den Leserseiten der F.A.Z., herrschte Heulen und Zähneklappern; hier ließ sich exemplarisch studieren, wie nahe Liebesfreud bei Liebesleid angesiedelt ist.

Leserin Frau Prof. Dr. Dagmar Schütte aus Lingen an der Ems etwa kann die geliebte Geistesverwandte schier nicht mehr wiedererkennen: „Ist das das endgültige neue Layout? Das Logo der Frankfurter Allgemeinen passt nun gar nicht mehr zum Rest, die neuen Typen machen die Anmutung zudem ganz beliebig, die F.A.Z. sieht jetzt aus wie meine Lokalzeitung. [...] Wenn ich mir die – für meine Begriffe gestalterisch besonders unstimmige – Titelseite anschaue, erwarte ich Artikel über aus den Zoo entlaufene Riesenschildkröten, uninteressante Personalien und Tipps zum Einkochen von Marmelade.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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