Ausgabe November 2007

Ein Abgrund an Liebesverrat

Jede Reform hat ihre Verlierer. Doch diesmal gilt es einer besonderen Leidensgeschichte zu erinnern, die sich im vergangenen Monat ereignete: die der „klugen Köpfe“ dieses Landes, der Leser der F.A.Z.

Zum Hintergrund: Am 5. Oktober erschien die „Zeitung für Deutschland“ in völlig neuem Erscheinungsbild, auf neudeutsch: relaunched. Was folgte, war ein Aufschrei des Entsetzens – und das Ende einer jahrzehntelangen Liebesgeschichte. Im letzten Biotop des deutschen Konservatismus, auf den Leserseiten der F.A.Z., herrschte Heulen und Zähneklappern; hier ließ sich exemplarisch studieren, wie nahe Liebesfreud bei Liebesleid angesiedelt ist.

Leserin Frau Prof. Dr. Dagmar Schütte aus Lingen an der Ems etwa kann die geliebte Geistesverwandte schier nicht mehr wiedererkennen: „Ist das das endgültige neue Layout? Das Logo der Frankfurter Allgemeinen passt nun gar nicht mehr zum Rest, die neuen Typen machen die Anmutung zudem ganz beliebig, die F.A.Z. sieht jetzt aus wie meine Lokalzeitung. [...] Wenn ich mir die – für meine Begriffe gestalterisch besonders unstimmige – Titelseite anschaue, erwarte ich Artikel über aus den Zoo entlaufene Riesenschildkröten, uninteressante Personalien und Tipps zum Einkochen von Marmelade.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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