Ausgabe August 2008

Französische Kolonialreichsphantasien

„Ich der Kopf, Ihr die Beine. Ihr einverstanden?“ Mit diesen sarkastischen Worten resümierte der tunesische Blogger Malek Khadhraoui jüngst die Absichten und Auffassungen des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy im Umgang mit den südlichen und östlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers. Khadhraoui, der es trotz drakonischer Zensur der tunesischen Diktatur schafft, seine Analysen und Informationen im Netz zu publizieren, spielte damit auf Äußerungen Sarkozys während seines jüngsten Besuchs in Tunesien an. Dort hatte das umtriebige französische Staatsoberhaupt am 30. April 2008 süffisant erklärt: „Ihr habt Arbeitskräfte, die nur danach verlangen, ausgebildet zu werden. [...] Wir haben viel Intelligenz und viel Ausbildung.“

Mit der seit dem 1. Juli waltenden EU-Ratspräsidentschaft Frankreichs rückt auch die „Union für das Mittelmeer“ ins Zentrum der Aufmerksamkeit, die Mitte Juli in Paris auf einem gemeinsamen Gipfel der Europäischen Union und der Anrainerstaaten am Süd- und Ostufer des Mittelmeers ausgerufen wurde. Viel zu selten wurde hierzulande wahrgenommen, welche ideologischen Vorstellungen und handfesten politischen Programme der französische Präsident mit diesem Projekt regionaler Integration verfolgt.

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