Ausgabe Mai 2008

Renaissance der Piraterie

Die Entführung des französischen Dreimasters Le Ponant vor der Küste Somalias hat auf spektakuläre Weise demonstriert, dass ein von vielen Menschen tot geglaubtes Phänomen ausgesprochen lebendig ist – die Piraterie. Seit Menschen zur See fahren, werden ihre Schiffe angegriffen, die Ladungen gekapert, Besatzungen bedroht, entführt und umgebracht. Und auch im 21. Jahrhundert stellen bewaffnete Überfälle auf Schiffe sowie Entführungen und Handel mit gestohlenen Gütern eine erhebliche Bedrohung der maritimen Sicherheit dar. Die Tatsache, dass derartige Angriffe sich nicht von solchen unterscheiden, die auf Transportwegen auf dem Land ausgeübt werden, hält Menschen jedoch keineswegs davon ab, Piraterie zu romantisieren. Heroische Sagen, Geschichten und Kinofilme zeugen bis heute davon.

Ein weit wichtigeres Merkmal von Piraterie ist jedoch, dass sie unweigerlich verwoben ist mit der Macht, den Interessen und Strategien von Staaten: Diese haben seit jeher Piraterie aktiv unterstützt – wenn nicht ihre eigene Instabilität von Piraten zu deren Zwecken ausgenutzt wurde. Bereits in der Antike gab es Piraten; ab dem 14. Jahrhundert beauftragten dann mächtige Staaten wie Großbritannien, Frankreich, Spanien oder die Niederlande mit sogenannten Kaperbriefen privat geführte Schiffe, um die Boote ihrer Rivalen angreifen und ausrauben zu lassen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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