Ausgabe Mai 2008

Rückkehr des Staates?

In den letzten 20 Jahren war es im politischen Spektrum links wie rechts geradezu Mode, das Ende des Staates zu behaupten – insbesondere das Ende des Sozialstaates. Auf der einen Seite standen die neoliberalen Befürworter von Privatisierung, Liberalisierung und Vermarktlichung der Politik, die im klassischen Nationalstaat die zentrale Ursache für viele wirtschaftliche Probleme wie hohe Inflation, hohe Arbeitslosigkeit oder hohe Verschuldung sahen.1 Auf der anderen Seite antworteten ihnen Autoren – nicht zuletzt auch aus neo-marxistischer Sicht –, die darauf hinwiesen, dass das internationale Finanzkapital die politische Handlungsfähigkeit des Nationalstaates untergrabe: Es zwinge die Staaten im Standortwettbewerb dazu, Steuern sowie Sozial- und Umweltschutzstandards zu senken, mithin also in einen Unterbietungswettlauf, ein race to the bottom, einzutreten, an dessen Ende der minimale Workfare State des Joseph Schumpeter stehe.2

Beide Seiten – das ist leicht ersichtlich – unterscheiden sich nur in der Einschätzung dieser Situation. Während die neoliberalen Ökonomen in der Regel die Entwicklungen sehr begrüßten, sahen die linken Kritiker darin einen sozialen Rückschritt – hin zu besonders ausgefeilten Formen der Ausbeutung.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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