Ausgabe April 2009

Demos statt Ethnos

Plädoyer für ein EU-Volk jenseits des Homo Europaeus

Im 15. Jahrhundert landeten die Spanier auf den Kanarischen Inseln und entdeckten die Guanchen. Papst Eugen IV. erklärte sie 1434 per Erlass zu „Menschen“ und gar zu „freien Leuten“ – immerhin waren die Guanchen nach spanischen Berichten „groß, blond und blauäugig, wenn auch dunkelhäutig“ und damit ganz nah am „europäischen Menschen“, dem homo europaeus.

Heute stranden auf den Kanaren täglich dutzende Bootsflüchtlinge. Sofern sie es dauerhaft ins EU-Hoheitsgebiet schaffen, unterliegen die Flüchtlinge wie Millionen andere bereits in Europa lebende „Ausländer“ dann einer anderen, modernen und vorgeblich politisch korrekten Kategorisierung mit all ihren Implikationen. Allerdings ist es heute nicht mehr die Geistlichkeit, die die Menschen zu „freien Leuten“ erklärt, sondern die Europäische Union (EU) und ihre Mitgliedstaaten. Sie definieren die Menschen auf ihrem Territorium als „EU-Bürger“, „Drittstaatsangehörige“, „(De-facto-)Flüchtlinge“ oder schlicht als „Illegale“.

Doch welcher Kategorie man angehört, hat umfassende Auswirkungen – nicht zuletzt auf die Möglichkeiten politischer Partizipation.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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