Ausgabe Januar 2009

Die Bambi-Republik

„Christian Wulf wickelt gern“. Das meint die Illustrierte „Bunte“ aus dem Burda-Medien-Stall natürlich nicht politisch. Es ist das Private, dass den niedersächsischen Ministerpräsidenten so wählbar macht: Der Landeslenker steht nachts auf und wickelt seine Tochter.

Genau das ist die „Bambi“-Kultur, jene unverwechselbare Mischung aus Flitter, Prominentenschweiß und Sehnsuchtsprojektionen, die sich jüngst zum 60. Mal feierte. Eine Kultur, die in einer jährlichen, prächtigen Preisverleihung mündet und doch Alltagskultur ist, ein Versprechen auf Teilnahme, das Anteilnahme einfordert. Mit gekrönten Häuptern, mit Leinwandprinzessinnen und eben den völlig privaten Seiten von Politikern: Adenauer fand sich schon auf den bunten Seiten wieder, eine Reportage über Kanzler Kiesinger im Orient, ein Willkommen für den US-Präsidenten Nixon. Und den Kennedys hätte das Blatt eigentlich Tantiemen zahlen müssen. Hitler dagegen war bisher nur mit seinem vermeintlichen Sohn vertreten – bei dem Führer hält anscheinend der „Spiegel“ das Copyright –, aber dafür zierte Frau Schröder-Köpf sogar schon drei Mal ein „Bunte“-Titelblatt.

Doch Burda ist mehr als die Bunte.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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