Ausgabe Juni 2009

Unterwegs zu einer Diskurstheorie der Gerechtigkeit: Habermas und Rawls

Theorie und Praxis: Jürgen Habermas zum 80.

So offensichtlich es ist, dass man als junger Wissenschaftler eines Lehrers bedarf, von dem man viel lernen kann und der an den eigenen Bemühungen interessiert ist, so schwierig ist dies doch in der Praxis zu erreichen – und bleibt letztlich eine Gnade des Zufalls. Mir war ein solcher Lehrer in der Person von Jürgen Habermas vergönnt, und so denke ich sehr gerne an meine Zeit als Doktorand und Mitarbeiter in seiner „AG Rechtstheorie“ in den frühen 90er Jahren zurück. Für mich war die Mitgliedschaft in der Gruppe ein Paradies – und gelegentlich auch die Hölle: Paradies wegen der Teilhabe an dem Entstehen einer neuen, gewaltigen Theorie und der Inspiration durch Habermas und so geschätzte und avancierte Kolleginnen und Kollegen wie Ingeborg Maus, Klaus Günther, Bernhard Peters, Lutz Wingert und Günter Frankenberg neben vielen Gästen wie etwa Ronald Dworkin – und Hölle dann, wenn ich mich fragte, ob ich das Niveau der dortigen Diskussionen würde erreichen können.

Die Kraft von Habermas‘ einzigartigem Rezeptions- und Konstruktionsvermögen, das ich hier erleben durfte, war atemberaubend; ganze Kontinente der Rechts- und Demokratietheorie wurden durchreist, vermessen und neu geordnet – „Faktizität und Geltung“, das in dieser Zeit entstandene Werk, legt davon Zeugnis ab.

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