Ausgabe Dezember 2010

Sarrazins Legende vom klugen Gen

Man stelle sich vor, Sarrazin hätte bei seinem Bestseller auf die brisante Melange aus provokanter Wortwahl und Biologismus verzichtet. In Deutschland gäbe es dann lediglich ein „Sachbuch“ mehr zum leidigen Thema Bildungspolitik und den trüben Aussichten für die nächsten Generationen. Kaum jemand hätte daran großes Interesse gezeigt, niemand sich darüber aufgeregt. Doch Sarrazins waghalsige Bezugnahme auf die Evolutionsbiologie, die Vererbbarkeit von Intelligenz und die „enorme Fruchtbarkeit“ der muslimischen Mitbürger als Stütze seiner politischen Hauptthesen haben dem vorgebeugt. Seine hitzigen Ausführungen – die ihre Dummheit vererbenden Muslime breiteten sich zunehmend in Deutschland aus, während die eingeborene Bevölkerung und damit die vererbte Intelligenz ausstürben – haben in Medien, Bevölkerung und Politik gewaltige Wellen geschlagen, die noch lange nicht verebbt sind.

Die großen, überregionalen Tageszeitungen und auch „Zeit“ und „Spiegel“ haben nicht nur der politischen Kritik an Sarrazins Buch Raum gegeben, sondern ebenso den Unterstützern und Verteidigern ganze Seiten zur Verfügung gestellt.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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