Ausgabe Dezember 2010

Ungarische Mitgift

Die dramatischen Bilder der nach einem Dammbruch von giftigem Rotschlamm überfluteten ungarischen Dörfer gingen um die ganze Welt. Mit bislang zehn Toten, etwa 130 Verletzten, zahlreichen unbewohnbar gewordenen Häusern und über 1000 Hektar kontaminierten Feldern handelt es sich um die größte ökologische Katastrophe in der modernen Geschichte des Landes.

Am Nachmittag des 4. Oktobers d.J. hatte ein Riss im Damm eines hauptsächlich mit Rotschlamm gefüllten Reservoirs des Aluminiumwerks MAL AG bei Ajka im westungarischen Komitat Veszprém zum Entweichen einer springflutartigen Schlammlawine geführt. Diese begrub Teile der nahe gelegenen Dörfer Kolontár, Devecser und Somlóvásárhely. Während die meisten Todesopfer in den Fluten ertranken, entstand ein Großteil der Verletzungen durch den hohen alkalischen Wert der entwichenen Flüssigkeit (pH-Wert von über 14). Diese drang auch in die Häuser ein und vernichtete, wie auch auf den Höfen und in den Straßen, das gesamte Hab und Gut der Betroffenen. Die von etwa 700 000 Kubikmeter Rotschlamm bedeckten Felder können voraussichtlich nur nach einem kompletten Bodenaustausch wieder bebaut werden.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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