Ausgabe April 2011

Die Stunde der Muslimbruderschaft?

Der erste Teilerfolg der ägyptischen Revolution stößt auf einhellige Begeisterung. Und dennoch könnte sich das Erreichte noch in sein Gegenteil verkehren. Die Macht der Armee, die seit dem Putsch der Freien Offiziere 1952 das Land faktisch regiert, wurde durch Mubaraks Rücktritt in keiner Weise erschüttert. Die wirtschaftliche Situation ist dramatisch, und die Bildungschancen der breiten Masse sind – angesichts eines Dreiklassen-Bildungssystems und einer Analphabetenrate von über 30 Prozent – nach wie vor äußerst begrenzt.

Nun sollen in den nächsten Monaten demokratische Strukturen aufgebaut werden, um im Herbst Wahlen abhalten zu können. Doch die zersplitterte säkulare Bewegung muss erst zueinander finden, sich in der Bevölkerung verankern und ihre Demokratiefähigkeit unter Beweis stellen. Eine entscheidende Rolle könnte vor diesem Hintergrund der islamistischen Muslimbruderschaft zukommen, der einzigen organisierten Bewegung mit einer breiten Basis und gefestigten Strukturen, die zudem von sich behauptet, allein den wahren Islam zu vertreten.

Die Muslimbruderschaft, das sunnitische Pendant des schiitischen Fundamentalismus à la Khomeini, wurde 1928 von Hassan al-Banna in Ismailija gegründet. Ihre Hintermänner, welche die Gründung anregten, waren vom saudi-arabischen Wahhabismus inspiriert.[1] Gründer dieser Sekte war Ende des 18.

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