Ausgabe Oktober 2011

Schizophrenie des Alltags: Stellen wir das Selbstverständliche in Frage!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich danke Ihnen für die Auszeichnung, ein Jahr lang das Amt des Stadtschreibers bekleiden zu dürfen. Ich verstehe Ihre Einladung nach Mainz vor allem als Aufforderung, miteinander ins Gespräch zu kommen, einander kennenzulernen und – zumindest was das ZDF betrifft – gemeinsam zu arbeiten.

Bisher kenne ich Mainz kaum. Ich habe den Dom gesehen, ein paar Räume der Gutenberg-Universität, das Foyer vom SWR, das 3sat-Studio, Buchhandlungen, Hotels, Restaurants, den Bahnhof. Jenseits dieser Berührungspunkte ist Mainz für mich die Chiffre eines geistigen Raums mit unübersehbaren Wirkungen. Es ist die Stadt von Johannes Gutenberg, mit einer alten Universität, die Gutenbergs Namen trägt, die Stadt, in der die erste deutsche Republik gegründet wurde, mit Georg Forster als einem der maßgebenden Köpfe. Mainz ist die Stadt von Anna Seghers, die Stadt, die eine von Alfred Döblin mitbegründete Akademie beherbergt, und nicht zuletzt die Stadt, die wie keine andere für das deutsche Fernsehen steht.

Über Johannes Gutenberg und die Folgen seiner Erfindungen zu sprechen, ist mir fast nicht möglich. Die letzten sechs Jahrhunderte sind ohne das gedruckte Wort unvorstellbar. Marshall McLuhans Begriffsschöpfung der „Gutenberg-Galaxis“ setzt das einprägsam ins Bild.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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