Ausgabe Dezember 2012

Kurzgefasst

Joseph Stiglitz: Das Ende des Amerikanischen Traums. Die Vereinigten Staaten auf dem Weg zur Erboligarchie

Die Vereinigten Staaten an der Jahreswende 2012/2013: Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander, die Ungleichheit bei Einkommen, Chancen und Abgaben wächst scheinbar unaufhörlich. Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz malt ein düsteres Bild der aktuellen Lage wie auch der Zukunft der USA. Um eine gerechtere Gesellschaft zu schaffen und zugleich nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu garantieren, gelte es, die dramatische Ungleichheit einzuebnen. Andernfalls drohten Zustände wie in einigen Ländern des globalen Südens. 

Gershom Gorenberg: Die Neugründung Israels. Ein Land zwischen Krieg und Frieden

Gegründet als Staat freier und gleicher Bürger, läuft Israel heute Gefahr, seine eigenen demokratischen Ideale über Bord zu werfen. Um sich als freiheitliche Demokratie neu zu gründen, muss das Land wichtige Veränderungen in Angriff nehmen. Welche dies sind und wie sie umgesetzt werden können, analysiert der amerikanisch-israelische Historiker Gershom Gorenberg. Er warnt davor, die Besatzung fortzusetzen und plädiert für einen Staat, der seine Minderheiten schützt und allen Bürgern die gleichen Freiheiten zugesteht.  

Wolfgang Streeck: Auf den Ruinen der Alten Welt. Von der Demokratie zur Marktgesellschaft

Auf den ersten Blick mögen Kapitalismus und Demokratie einander gegenseitig bedingen. Tatsächlich existiert ein fundamentales Spannungsverhältnis zwischen ihnen, stehen die Verteilungsprinzipien Marktgerechtigkeit und soziale Gerechtigkeit in erbitterter Konkurrenz. Der Soziologe Wolfgang Streeck analysiert, inwieweit die Einführung des Euro und die gegenwärtige Krisenpolitik die Hegemonie der Marktgerechtigkeit zementieren. Gegen die herrschende Lehre plädiert er für das Instrument der Währungsabwertung und für ein europäisches Bretton Woods.  

Norbert Mappes-Niediek: Das Elend der Roma und die Ökonomie der Armut

Seit geraumer Zeit steht das sogenannte Roma-Problem auf der Agenda europäischer Staaten wie auch der EU. Doch eine Verbesserung der Lebensbedingungen, gar die Integration der Roma in Gesellschaft und Arbeitsmarkt sind nach wie vor nicht in Sicht. Der Journalist Norbert MappesNiediek erklärt, warum die große europäische Strategie zur Emanzipation der Roma zum Scheitern verurteilt ist: Sie übersieht die zwingende Logik der Ökonomie der Armut. Sie zu überwinden sei der Schlüssel für die Lösung des „Roma-Problems“. 

Sabine Nuss: Umkämpftes Copyright. Der Streit um das geistige Eigentum

Nicht erst seit dem Kampf gegen ACTA ist das geistige Eigentum ein heiß umkämpftes Terrain. Nach Ansicht der Politologin und Journalistin Sabine Nuss sind die Konflikte rund um das Urheberrecht von Beginn an Teil unserer kapitalistischen Marktgesellschaft. Der Streit zwischen Urhebern, Rechteverwertern und Nutzern des geistigen Eigentums verlangt daher nicht nach rein „netzinternen“ Konfliktlösungen, sondern vielmehr nach gesamtgesellschaftlichen Ansätzen.

Eva Illouz: »Begehre mich!«. Die existenzielle Bedeutung der Liebe in der Moderne

Ein wichtiger Bestandteil der romantischen Liebe ist seit jeher die Aufwertung des eigenen Ichs durch den Blick des Anderen, des oder der Liebenden. Wie sich die Bedeutung dieser Anerkennung in der Moderne fundamental verändert hat, beschreibt die Soziologin Eva Illouz. Anders als früher ist heute die Anerkennung des Selbst und seine Bestätigung in Liebesbeziehungen von viel größerer, ja von existenzieller Wichtigkeit. Faktisch ist sie an die Stelle der Anerkennung durch Klassenzugehörigkeit getreten.

 

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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