Ausgabe Dezember 2013

Tschechien: Warten auf den Erlöser

Man hatte allerhand erwartet von den vorgezogenen Wahlen zum tschechischen Abgeordnetenhaus am 25. und 26. Oktober: Die Wähler, so hieß es, würden die Parteien der bürgerlichen Koalition gnadenlos abstrafen. Von einem deutlichen Linksruck war die Rede, einem haushohen Sieg der Sozialdemokraten (CSSD). Kaum jemand wollte ausschließen, dass erstmals seit 1989 den Kommunisten (KSCM) wieder eine Schlüsselrolle zukommen würde – als denkbare Königsmacher für eine sozialdemokratische Minderheitsregierung. Doch am Ende kam es für die demokratischen Parteien ganz dick, auch für die CSSD. Ein gutes Vierteljahr vorher waren den Sozialdemokraten noch mehr als 35 Prozent der Stimmen vorausgesagt worden. Doch nichts von dem ist eingetroffen. Die CSSD musste mit 20,45 Prozent der Stimmen zufrieden sein.

Stattdessen erreichten neue, schwer berechenbare Gruppierungen 61 von 200 Sitzen im Abgeordnetenhaus. Nimmt man die gegen das System gerichtete KSCM hinzu, die ihren Mandatsanteil auf 33 verstärken konnte, dann ging fast die Hälfte aller Sitze an sogenannte Protestparteien. Das ist ein schwerer Schlag für die etablierten Parteien, der das gesamte Parteiensystem, das seit 1989 entstanden war, in seinen Grundfesten erschüttert.

Das Ergebnis lässt eine lang andauernde, mühsame Regierungsbildung erwarten.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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